Schwarzfahren in München:
Das Phantom der U-Bahn

Straftäter oder doch cleverer Sparfuchs? Nicht alle Studenten wollen für das Semesterticket zahlen. Über eine strittige Alternative: Schwarzfahren.

Von Greta Prünster

Was? 189 Euro für das neue Semesterticket? Das ist für mich als Studentin schon eine ganze Menge.

Da überlege sogar ich mir, ob ich mir das Semesterticket überhaupt kaufen soll und dafür einfach ab und zu ohne Fahrkarte in die U-Bahn einsteige.

Auf der anderen Seite bin ich ein ziemlicher Angsthase. Mein Herz klopft alleine schon schneller, wenn ich kontrolliert werde – und das, obwohl ich das Semesterticket habe.

Doch es gibt Leute, die sich diesem Nervenkitzel regelmäßig aussetzen.

Etwa 3% aller Fahrgäste in München steigen ein, ohne zu zahlen. Und es werden von Jahr zu Jahr mehr. Als Gegenmaßnahme sind deutlich mehr Kontrolleure in den Verkehrsmitteln der Münchner Verkehrsgesellschaft zu sehen. Was wiederum zur Folge hatte, dass Schwarzfahrer sich besser organisieren, um nicht erwischt zu werden. Es ist also ein ständiges Katz und Maus-Spiel.

Mit dem Internet gegen Fahrkartenkontrollen

Schwarzfahrer in München nutzen gerne die Facebook-Seite „MVV-Blitzer“. Dort kann jeder melden, wann und wo ihm Kontrolleure über den Weg gelaufen sind. Das ganze System funktioniert natürlich nur, wenn genügend Leute mitmachen. Andernfalls führt es nur dazu, dass sich Menschen ohne Ticket in trügerischer Sicherheit währen und dann vielleicht doch erwischt werden.

Der Online-Blog „Cosmonautilus“ geht sogar einen Schritt weiter und schlägt vor, dass alle Fahrgäste mit Ticket sich extra viel Zeit lassen sollen, wenn sie dieses herauskramen, damit Schwarzfahrer sich inzwischen schnell verdrücken können.

Solche Aufrufe kommen Menschen wie Christoph (Name von der Redaktion geändert) zugute. Er sieht das ganze etwas lockerer als ich und fährt regelmäßig schwarz. Der Grund dafür? Finanzielle Vorteile. Christoph hat sich ausgerechnet, ob sich ein Semesterticket für ihn lohnen würde. Doch das tut es nicht wirklich. Lieber fährt er schwarz und kauft ab und zu mal ein Ticket, wenn er das Gefühl hat, dass er dieses Mal kontrolliert werden könnte. Während der Fahrt achtet er genau darauf, welche Leute einsteigen. Er glaubt nämlich, Kontrolleure an bestimmten Merkmalen erkennen zu können. Der Erfolg gibt ihm Recht: Christoph wurde noch nie in flagranti ertappt.

Hier gibt es die ganze Geschichte von Christoph zum nachlesen.

Und hier zum nachhören:

Anmerkung der Redaktion

Wie viele Schwarzfahrer gibt es in München überhaupt? Wie viel Geld verdient die MVG durch Strafgebühren? Und wie viele Kontrolleure sind genau in Bussen, Tram und U-Bahnen im Einsatz?

Zum Thema Schwarzfahren wollte sich die MVG nicht äußern, schriftlich teilte uns die Pressestelle Mitte Oktober 2016 mit:

„Zu diesem Thema geben wir bewusst keine Zahlen bekannt, um potenziellen Schwarzfahrern keinerlei Hinweise auf unser Kontrollkonzept zu liefern. Denn das wäre kontraproduktiv, insbesondere auch für alle ehrlichen (= zahlenden) Fahrgäste.“

Teile diese Geschichte: Share on FacebookTweet about this on TwitterEmail this to someone