„Wenn es ein Nein gibt wird auch nicht weiter verhandelt“

Der Arbeitskreis Mobilität beschäftigt sich seit Jahren mit dem Thema Mobilität für Studenten in und um München. Die Mobilitätsreferenten Florian Groß von der TU und Maximilian Frank von der LMU haben uns einige Fragen zum Semesterticket beantwortet.

Von Sarah Maier

Seit über drei Jahren gibt es das Semesterticket nun. Warum kommt es jetzt zu einer Urabstimmung?

Maximilian Frank: Die Urabstimmung steht einfach an, da wir in den Preisverhandlungen, im Vergleich zu den jetzigen Preisen, entsprechend sehr hohe Steigerungen hinnehmen mussten. Die sind, wenn man das jetzt auf das letzte Sommersemester bezieht um die 17 Prozent. Und das ist natürlich ein Betrag, wo auch wir als AK Mobilität nicht einfach für alle Studierenden entscheiden können, ob das unter diesen Prämissen sozusagen für die Studierenden noch ein preislich attraktives Angebot ist oder nicht.

Warum wird das Semesterticket teurer?

Florian Groß: Ausschlaggebender Punkt war grundsätzlich, dass die Verkehrsbetriebe gesagt haben, dass das was sie derzeit einnehmen – mit dem derzeitigen Semesterticket – einfach ihre Kosten nicht mehr deckt.

Maximilian Frank: Die Aussage der Studie, die eben diese genannte Preiserhöhung um die 17 Prozent belegen soll, halten wir für höchst zweifelhaft (die MVV hält sie für valide, Anm d. Red). Die offizielle Begründung, die ich auch nicht für sonderlich belastbar halte- aber das ist das, was uns vorgesetzt wurde- ist, dass man damals bei der Berechnung eben Rechenfehler vorgenommen hat. Sprich: Mit dieser genannten Kaufquote wäre das Semesterticket nicht tragend. Und jetzt hat man, auch ohne unsere Einbeziehung einen Berechnungswechsel vollzogen. Vorher hieß es wenn die Kaufquote hoch ist alles in Ordnung. Und jetzt heißt es: Wir wollen pro Fahrt so und soviel verdienen.

München ist durch die hohen Mieten allein schon sehr teuer für Studenten. Warum ist der Öffentliche Nahverkehr so kostenintensiv?

Florian Groß: Hier in München haben wir natürlich U-Bahn, S- Bahn, Trambahn, und Bus. Und ein riesengroßes Gebiet dazu. Aber insgesamt muss man sagen: Wir bewegen uns  bayernweit, wenn man München mit Nürnberg, Erlangen vergleicht preislich in der gleichen Kategorie. Der Freistaat Bayern bezuschusst den Ausbildungstarif, also auch den Ausbildungstarif II und I nicht so sehr wie andere Bundesländer das tun. Und deswegen fahren wir so teuer.

Wie genau funktioniert denn der Tarifrechner?

Maximilian Frank: Wir haben schon damals im Rahmen der letzten Umfrage den Tarifrechner programmiert. Das ist ein Online Tool. Da kann ich sozusagen sagen, wie häufig ich mit dem ÖPNV unterwegs bin und welche Tickets ich benutze. Sprich: Ich stelle mir einen Warenkorb zusammen und dann sehe ich was der kostet und dazu wird dann im Vergleich das Semesterticket eingeblendet. Ich habe einen sehr neutralen, ökonomischen Nutzenvergleich. Fahre ich mit anderen Tickets günstiger oder fahre ich teurer und kann von dem Semesterticket profitieren.

Was passiert mit dem Semesterticket wenn die Studierenden mit Nein abstimmen?

Florian Groß: Wenn es ein Nein gibt wird auch nicht weiter verhandelt. Sondern dann wird dieses Thema wahrscheinlich erst mal für fünf Jahre auf Eis liegen. Und dann findet sich eventuell wieder eine neue Gruppe zusammen, die dann wieder weiter verhandelt.

Maximilian Frank: Man kann es tatsächlich sagen, wir befinden uns jetzt am Scheideweg. Entweder geht es dahin, dass das Semesterticket fortgeführt wird oder es wird die nächsten vier, fünf Jahre kein Semesterticket mehr geben. Die Verkehrsbetriebe sind nicht erpicht auf dieses Produkt. Dieses Produkt kam auf Druck der Studierendenschaft und der Politik zustande. Man hat auch gesagt, es kann einfach nicht sein, dass München als weltweit geschätzter Universitätsstandort kein Semesterticket hat. Das ist schon fast peinlich. Und deswegen sollte es das Semesterticket geben.

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