Ein Schwarzfahrer in München

Schwarzfahren oder für das Semesterticket mehrere hundert Euro zahlen. Manche Studenten wählen die illegale Methode. Wir haben einen davon getroffen.

Von Greta Prünster

Wer in Deutschland beim Schwarzfahren erwischt wird, muss 60 Euro Strafe zahlen. Das ist jetzt seit etwa einem Jahr so, vorher waren es noch 40 Euro. Das Semesterticket für Studenten kostet in München 189 Euro. Da zahlt sich Schwarzfahren ja gar nicht aus, oder?

Christoph: „Ich hab mir ausgerechnet, ob es sich rentieren würde, ein Semesterticket zu holen und das würde es nicht tun. Insofern weiß ich nicht, wie viel konkret ich spare, aber ich komme auf jeden Fall günstiger weg. Hinzu kommt, dass ich mittlerweile schon eine ganz gute Erfolgsquote hab, also ich bin so oft schwarzgefahren, dass selbst wenn ich jetzt einmal kontrolliert werden würde, sich das immer noch für mich rechnet.“

Der Trick: Ausschließen

Christoph ist Student und einer von etwa 20.000 Menschen in München, die regelmäßig schwarzfahren. Im echten Leben heißt Christoph anders, im Radio will er lieber anonym bleiben. Denn auch wenn es so gut wie jeder schon mal gemacht hat, ist Schwarzfahren eigentlich eine Straftat. Wer dreimal erwischt wird, dem droht eine Anzeige. Christoph wurde aber noch nie erwischt. Er achtet sehr genau auf seine Umgebung, wenn er ohne Ticket in die U-Bahn steigt.

Christoph: „Ich glaub dass Kontrolleure meistens in 2- bis 3er-Gruppen sind, die irgendwie so locker zusammengehören, dann aber trotzdem an verschiedenen Türen einsteigen. Das ist immer ein sicheres Indiz. Was glaub ich noch besser funktioniert, ist Leute auszuschließen: Zum Beispiel die Mutter mit Kinderwagen oder die Familie mit Koffer oder auch die japanische Touristengruppe. Das sind mit großer Wahrscheinlichkeit keine Kontrolleure und wenn nur solche Leute am Bahnsteig stehen, dann fühle ich mich relativ sicher.“

Wie viele Menschen in München jeden Tag beim Schwarzfahren erwischt werden, ist nicht bekannt. Es gibt auch keine Zahlen dazu, wie viele Kontrolleure täglich im Dienst sind. Die will das Münchner Verkehrsunternehmen MVV bewusst nicht bekanntgeben, um potenziellen Schwarzfahrern keine Hinweise auf das Kontrollkonzept zu liefern. Trotzdem gibt es gewisse Situationen, in denen man so gut wie sicher sein kann, keinem Kontrolleur zu begegnen:

Christoph: „Es ist natürlich schon so, dass ich das Gefühl hab, wenn ich zum Beispiel zu einem Bayern-Spiel fahre und ganz viele Leute dicht gedrängt in der U-bahn stehen und man sowieso nicht durchkommt, dann ist die Wahrscheinlichkeit, kontrolliert zu werden, geringer.“

Manche Schwarzfahrer in München haben sich richtig organisiert um die Wahrscheinlichkeit, erwischt zu werden, zu senken. So gibt es auf Facebook diverse Gruppen, in denen regelmäßig gepostet wird, wo Kontrolleure gesichtet wurden und wie diese aussehen. Auch die App „Jodel“ wird von Studenten gerne als Kontrolleur-Warnsystem genutzt. Christoph nutzt das alles nicht. Er lässt München jetzt ohnehin erst mal hinter sich und verbringt ein bisschen Zeit in Amerika. Mal schauen, ob es da mit dem Schwarzfahren auch funktioniert.

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