Das sagt die MVV zum Semesterticket

Jedes Semester ein bisschen teurer. Auf den MVV sind viele Studierende beim Thema Semesterticket schlecht zu sprechen. Doch der Verkehrsverbund hat seine Gründe, die er hier darlegt.

Von Florian Reil

Das Semesterticket stellt der Münchner Verkehrsverband (MVV) zur Verfügung. Der MVV saß auch seit Jahren unter anderem mit dem AK Mobilität am Verhandlungstisch, der die Interessen der Studierenden vertritt.

Gegenüber M94.5 hatten Vertreter des AK Mobilität dem MVV vorgeworfen, dass die erheblichen Preissteigerungen für das Semesterticket mit einem Rechenfehler des Verkehrsverbandes zusammenhängen würden und der MVV deswegen die Preisberechnung von der Kaufquote umgestellt hätte auf Gewinn pro gefahrenen Strecken.

Der MVV teilte uns dazu mit: “Bei den durchgeführten Preissteigerungen handelt es keineswegs um einen Rechenfehler, sondern die deutliche Preisanhebung für das WS 2016/17 war den Ergebnissen einer umfangreichen Marktstudie im Jahre 2015 geschuldet, bei der das Mobilitätsverhalten der Studierenden ermittelt wurde. Im Ergebnis, wird das Semesterticket deutlich häufiger genutzt, als dies in den ursprünglichen Kalkulation berücksichtigt war.”
Außerdem müsse der MVV auch die Preise für das Semesterticket den allgemeinen Tarifentwicklungen im öffentlichen Nahverkehr in München anpassen.

Wenig Chancen auf günstiges Ticket bei einem „Nein“

Sollten die Studenten der Münchner Universitäten und Hochschulen bei der Urabstimmung mehrheitlich mit “Nein” stimmen, dann wird es ab dem Sommersemester 2017 kein Studenten-freundliches Ticket mehr in München geben. Sie müssten dann wieder auf den Ausbildungstarif II mit Wochen- und Monatskarten oder das Abo zurückgreifen, teilt uns die MVV mit. “Für viele Studenten wäre das mit deutlichen Mehrkosten verbunden.”

Außerdem schließt der MVV aus, dass er nach einem “Nein” der Studenten ein günstigeres Ticket als das jetzt ausgehandelte ausstellen wird – zu weiteren Verhandlungen mit der Studierendenschaft sei er aber bereit.

Hier die kompletten Antworten der MVV auf unsere Fragen:

Das komplette Statement der MVV

Wie viele Nutzer hat die Isarcard Semester aktuell und wie war die Entwicklung der Nutzerzahlen seit der Einführung?

Im Sommersemester 2016 haben rund 78.000 Studierende die IsarCard Semester genutzt; zum Wintersemester 2016/17 liegen noch keine Zahlen vor. Die Kaufquote hat sich seit der Einführung um rund 3 Prozentpunkte erhöht und somit haben sich die Nutzerzahlen seit der Einführung positiv entwickelt.

Warum ist der Preis des Semestertickets immer weiter gestiegen?

Das Semesterticket wurde mit einem Gesamtpreis (141.- € IsarCardSemester und 59.-€  Solidarbeitrag) zum 01. 0ktober 2013 eingeführt. Dieser sehr günstige Preis war nur möglich, weil die LH München sich im Gegenzug bereit erklärte eventuell entstehende Mindereinnahmen bis zu einer Höhe von knapp 12 Mio. € für die Verkehrsunternehmen auszugleichen. Allein aus dem Betrag, den die LH München bereit war, für Mindereinnahmen im Pilotzeitraum zur Verfügung zu stellen, ist erkennbar, dass es von Anfang an allen Beteiligten klar war, dass dieser Preis nicht auf Dauer Bestand haben kann. Darüber hinaus musste das Ticket auch im Hinblick auf eine Gleichbehandlung aller Kundengruppen an die regelmäßige Tarifentwicklung im MVV-Tarif angepasst werden.

Ist es richtig, dass die Preissteigerungen mit einem Rechenfehler zusammenhängen (wie vom AK Mobilität vermutet, Anm. d. Red.)?

Bei den durchgeführten Preissteigerungen handelt es keineswegs um einen Rechenfehler, sondern die deutliche Preisanhebung für das WS 2016/17 war den Ergebnissen einer umfangreichen Marktstudie im Jahre 2015 geschuldet, bei der das Mobilitätsverhalten der Studierenden ermittelt wurde. Im Ergebnis, wird das Semesterticket deutlich häufiger genutzt, als dies in den ursprünglichen Kalkulation berücksichtigt war.

Wie bewertet der MVV die Entwicklung des Semestertickets seit der Einführung?

Die Einführung des Semestertickets wird durchwegs als erfolgreich bewertet. Mit einer Kaufquote bei der IsarCardSemester von rund 71% im Sommersemester 2016 und einer Kaufquote von rund 74% im WS 2015/16 sind die Erwartungen an ein Semesterticket erfüllt worden.

Was würde ein „Ja“ oder „Nein“ der Studenten bei der aktuellen Abstimmung über das ticket für die MVV bedeuten?

Bei einem „Ja“ würde das Semesterticket als Standardangebot weitergeführt. Bei einem „Nein“ würde es mit Ende des WS 2016/17 am 31.03.2017 eingestellt werden. Für rund 2/3 der Studierenden wäre die Einstellung sicherlich mit deutlichen Nachteilen verbunden, da sie dann wieder auf den Ausbildungstarif II mit Wochenkarten, Monatskarten oder das Abo zurückgreifen müssten. Für viele Studierende wäre das mit deutlichen Mehrkosten verbunden.

Steht der MVV auch bei einem „Nein“ der Studenten weiterhin für Verhandlungen für ein studentenfreundliches Ticket zur Verfügung? Unter welchen Bedingungen?

Der MVV steht für den Studierenden gerne zu Verhandlungen zur Verfügung, nachdem aber der zuletzt ausgehandelte Preis schon ein großes Entgegenkommen gegenüber den Studierenden bedeutete, besteht seitens des MVV kein Spielraum für ein noch preisgünstigeres Angebot, es sei denn die LH München würde sich in einem solchen Fall wieder zu Ausgleichszahlungen bereit erklären.

Fotocredit: MVV GmbH

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